lifeSandrasen: Vertragsnaturschutz im Wald

Vertragsnaturschutz im Wald

Erste Erfahrungen mit der Förderrichtlinie

Ingo Höhne, Ranger im Naturpark Nuthe-Nieplitz

Im Rahmen unseres Projekts "Unser Naturerbe schützen-Gemeinsam für Natura 2000 in Brandenburg" informiert das Projektteam über Fördermöglichkeiten. Das Ziel ist es, die Umsetzung konkreter Naturschutzmaßnahmen vorzubereiten - gemeinsam mit den Menschen vor Ort.

 

Zum Beispiel auch mit Waldeigentümern, denn seit August 2019 ist eine Förderung von Naturschutzmaßnahmen im Wald möglich. Über die entsprechende Richtlinie können Vorhaben gefördert werden, die auf den Schutz, die Erhaltung und die Wiederherstellung von Wald-Lebensräumen zielen.

 

Diese Richtlinie bietet in unserem Projekt eine gute Grundlage zur Vereinbarung der erforderlichen Natura 2000-Maßnahmen im Wald. Über die ersten Erfahrungen haben wir mit Ingo Höhne, Ranger der Naturwacht im Naturpark Nuthe-Nieplitz gesprochen.

Stiftung: Welche Fördermöglichkeiten gibt es denn eigentlich?

Ingo Höhne: Seite August 2019 können zum Beispiel verschiedene Naturschutzmaßnahmen im Wald gefördert werden, also Vorhaben, die auf den Schutz gefährdeter Lebensräume zielen, auf deren Erhalt oder Wiederherstellung. Mit Hilfe dieser Förderung sollen die Natura 2000-Ziele umgesetzt werden, wie sie in der FFH-Richtlinie und vor allem für die FFH-Gebiete festgelegt sind. Diese Förderrichtlinie bietet uns eine gute Grundlage, Maßnahmen zu vereinbaren.

Wenn wir von Naturschutzmaßnahmen sprechen, klingt das oft recht allgemein. Was genau kann über diese Richtlinie gefördert werden?

Das ist sehr umfangreich: zum Beispiel der Erhalt von stehendem und liegendem Totholz oder von Alt- und Biotopbäumen. Die Anlage und die Pflege eines Krautsaumes kann genauso gefördert werden wie die vollständige Entnahme gebietsfremder Gehölze in den jeweiligen Wald-Lebensraumtypen. Wenn ein guter oder hervorragender Erhaltungszustand festgestellt ist – wir sprechen hier von Erhaltungsgrad B oder A – kann auch dieser gefördert werden, damit er sich nicht verschlechtert. Die Bandbreite ist also wirklich groß.

Gibt es einen Schwerpunkt, auch in der Beratung?

Das Totholz: Egal ob stehend oder liegend ist der Erhalt von Totholz förderfähig und zwar in Wäldern mit gutem Erhaltungszustand und in Wald-Lebensraumtypen, die nur noch mittel oder schlecht ausgeprägt sind sowie auf sogenannten Entwicklungsflächen. Wichtig ist die Zweckbindung von zehn Jahren. Bei einer maximalen Förderhöhe von 800 Euro pro Hektar kann das durchaus für Waldbesitzer attraktiv sein, auf die wirtschaftlich sowieso eingeschränkte Nutzung des Totholzes zu verzichten.

Klingt gut, und es gibt keine Hürde?

Doch, die gibt es allerdings: Es ist eine Mindestmenge von 21 Kubikmeter Totholz pro Hektar festgelegt, es fließen aber erst Stämme ab einem Brusthöhendurchmesser von 35 bis 50 Zentimeter in die Berechnung ein, je nach Baumart. Alles schwächere Totholz bleibt unberücksichtigt. Zur Verdeutlichung: Selbst bei Exemplaren mit vier Kubikmetern braucht es dann schon mehr als fünf solch starker Totholzbäume pro Hektar, also auf 100 mal 100 Meter.

Für die Flechtenkiefernwälder in unserem Projektgebiet ist in diesem Zusammenhang zu erwähnen, dass die auf diesem armen Standortdort meist nur schwachwüchsigen Kiefern den geforderten Mindestdurchmesser von 50 cm naturgemäß noch seltener aufweisen.

An welcher Stelle bringt die neue Förderrichtlinie dann Vorteile?

Die Richtlinie kann Waldbesitzern Vorteile bringen, auf deren Flächen sich FFH-Lebensraumtypen mit gutem oder hervorragendem Erhaltungsgrad finden: Bei uns im Naturpark Nuthe-Nieplitz sind das zum Beispiel die genannten Flechtenkiefernwälder und alte bodensaure Eichenwälder im FFH-Gebiet Obere Nieplitz. Diese Waldbesitzer können nun einen Antrag stellen, damit sie für eine angepasste Nutzung honoriert werden. Die Zweckbindungsfrist von vorerst 20 Jahren sorgt dafür, dass in den genannten Wäldern die lebensraumtypische Vielfalt erhalten bleibt. Die Förderung sichert so den guten Erhaltungszustand für diese Waldflächen: mit Bäumen aller Altersphasen, vielen Biotop- und Altbäumen, und einem hohen Totholzanteil. Einen Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten also.

Wir haben schon von Waldflächen gesprochen, die sich in einem schlechteren Zustand befinden. Was besagt die Förderrichtlinie hier?

Auch dann ist eine Förderung möglich: Zum Beispiel kann direkt der Erhalt einzelner Biotop- und Altbäume gefördert werden. Wieder mit einer Zweckbindungsfrist von mindestens 20 Jahren, um sie dauerhaft zu erhalten. Ein weiteres Beispiel aus dem Naturpark Nuthe-Nieplitz: Wird für bis zu zehn Alteichen pro Hektar in den entsprechenden Eichenwäldern im FFH-Gebiet Obere Nieplitz auf eine Nutzung verzichtet, kann dies finanziell entschädigt werden.

Warum sind gerade die alten Eichen so bedeutsam?

In einigen dieser Bäume lebt versteckt die seltene Großkäferart Eremit. Vor allem für den Fortbestand dieser FFH-Art ist der Schutz der Alteichen existentiell. Die zahlreichen Baumhöhlen oder Rindentaschen - zwei Merkmale die, diese Bäume naturschutzfachlich so wertvoll machen - kommen aber auch anderen Arten zugute: zahlreichen höhlenbrütenden Vögel zum Beispiel oder der baumbewohnenden Mopsfledermaus.

Was können Waldbesitzer auch ohne Förderung zum Naturschutz beitragen?

Wir haben ja schon von den Flechtenkiefernwäldern gesprochen, in denen es nur selten Totholz mit dem geforderten Mindestdurchmesser gibt. Hier bleibt nur an den Waldbesitzer zu appellieren, diese Bäume nicht als Brennholz zu nutzen. Ein hoher Totholzanteil ist auch in diesem Lebensraumtyp ungemein wichtig.

Vielen Dank, dass du dir Zeit genommen hast!

Die Richtlinie

Die Förderrichtlinie dient der Umsetzung der Natura-2000-Ziele, die in der europäischen FFH-Richtlinie festgelegt sind. Förderkulisse sind die Flächen der erfassten und bewerteten Lebensraumtypen, insbesondere innerhalb der FFH- Gebiete.

Fördergegenstand der Richtlinie

  • Erhalt von stehendem und/oder liegendem Totholz
  • Erhalt von Alt- und Biotopbäumen
  • Förderung des guten (B) oder hervorragenden (A) Erhaltungsgrades
  • Anlage und/oder Pflege eines Krautsaumes
  • Vollständige Entnahme gebietsfremder Gehölze in Wald-LRT
  • Dauerhafter Nutzungsverzicht auf Flächen von Wald-LRTs

FFH-Gebiete mit Teilgebieten, in denen bislang Gespräche zur Umsetzung der Richtlinie geführt werden:

  • Obere Nieplitz
  • Nieplitz-Quellgebiet
  • Selterhof
  • Sebaldushof
  • Düne Niebel
  • Seeluch-Priedeltal: Steinberg Ahrensdorf

Anträge können laufend gestellt werden. Frist für den Eingang eines Antrages ist der 1. September eines Jahres.

Hier finden Sie den Text der Förderrichtlinie.

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