Gemeinsame Sache für spezielle Arten

Gemeinsame Sache für spezielle Arten

Nach den Vorträgen wurde es auf einer Exkursion konkret.
Die Feuchtwiesen entlang der Deiche und Vorländer werden zurzeit von Mitte Juni bis Mitte September weder beweidet noch gemäht.
Diese zeitlich gut abgestimmte Nutzung trägt einen großen Teil dazu bei, den Bestand der bedrohten Art zu halten. Foto: S. Hennigs
Der Tagfalter ist auf das Vorkommen des Großen Wiesenknopfes angewiesen, der hauptsächlich auf wechselfeuchten, ein- bis zweischürigen mageren Wiesen in Fluss- und Bachtälern vorkommt. Foto: S. Hennigs

Bad Liebenwerda - Hochwasserschutz, landwirtschaftliche Nutzung und Artenschutz: Wie lässt sich das vereinbaren? Wie sich unterschiedliche Ansprüche vereinbaren lassen, war Thema des praxisbezogenen Workshops "Artenvielfalt auf Feuchtwiesen". Gemeinsam mit dem Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft und der Loki Schmidt-Stiftung hatten wir im Rahmen unserer Arbeit für Natura 2000 eingeladen und am Beispiel des Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulings nach Lösungen gesucht.

Ein spezialisierter und seltener Falter

Der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling ist eine hoch spezialisierte Art feuchter bis nasser, nur extensiv genutzter Wiesen. Früher häufig ist dieser Tagfalter mittlerweile nur noch selten anzutreffen und entsprechend streng geschützt. In Brandenburg kommt er vor allem noch im Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft vor und dort innerhalb des FFH-Gebietes Mittellauf der Schwarzen Elster.

Als junge Raupen ernähren sich die Tagfalter ausschließlich von ihrer namensgebenden Wirtspflanze. Nach zwei bis drei Wochen an den Blüten lassen sich die Raupen auf den Boden fallen und warten darauf, von der Ameise aufgenommen zu werden. Sie täuschen mittels spezieller Geruchsstoffe vor, Ameisennachwuchs zu sein. Außerdem produzieren sie Zuckerwasser über eine spezielle Honigdrüse. Die Ameisen tragen die Raupen so ins Ameisennest: Warm und geschützt fressen diese sich am Ameisennachwuchs satt. Im Frühjahr verpuppen sich die Raupen und verlassen nach etwa 25 Tage das Nest – durch wollige Schuppen gegen Beißattacken der Ameisen geschützt – in Richtung des Großen Wiesenknopfes.

Diese hohe Spezialisierung bedeutet auch: Um den seltenen Falter zu schützen, muss die gesamte Artengemeinschaft geschützt werden. Die gute Nachricht vorweg - schnell zeigte sich, dass dies ein gemeinsames Anliegen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Landwirtschaft, Gewässer- und Naturschutz ist.

Eine angepasste Nutzung

Die Feuchtwiesen entlang der Deiche und Vorländer der Schwarzen Elster werden zurzeit von Mitte Juni bis Mitte September weder beweidet noch gemäht. So kann sich der Falter vollständig entwickeln und hat die Möglichkeit der Eiablage und Raupenentwicklung. Diese zeitlich gut abgestimmte Nutzung trägt einen großen Teil dazu bei, den Bestand der bedrohten Art zu halten. Ungünstige Mahd- oder Beweidungszeiträume gefährden Eier und Larven des Tagfalters.

Ein zweiter entscheidender Faktor ist es, die Feuchtwiesen weiterhin extensiv zu nutzen. Eine solche Nutzung begünstigt sowohl das Vorkommen der Wirtspflanze als auch der Wirtsameise. Wird sie eingestellt, verdrängen konkurrenzstärkere Pflanzen den Großen Wiesenknopf.

Auch von den zum Hochwasserschutz durchgeführten Maßnahmen im Rahmen der Gewässerunterhaltung profitieren diese Arten. Allerdings kann sich das Aufbringen von Flusssedimenten negativ auf die Bestände auswirken. Gerade dieser Aspekt zeigt, wie wichtig Lebensräume außerhalb der Deiche für die Artengemeinschaft sind. Mit weiteren Flächen im Vertragsnaturschutz hoffen wir, Restpopulationen außerhalb der Vorlandbereiche sichern zu können, Vorkommen des Wiesenknopfes zu stärken und auch neue Vorkommen anzusiedeln. Das Ziel ist sind Teilpopulationen, die nicht überflutet werden.

Natura 2000 Umsetzung

Im Rahmen unserer Arbeit für das europäische Schutzgebietsnetz Natura 2000 engagieren wir uns für die Umsetzung der Managementpläne, beraten Landnutzerinnen und Landnutzer vor Ort und bringen möglichst alle Beteiligte an einen Tisch.

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