Workshop zum Wiesenknopf-Ameisenbläuling

Workshop zum Wiesenknopf-Ameisenbläuling

Im Foto sieht man rechts den Mittellauf der schwarzen Elster und das linke Ufer. Zwischen Deich und Fluss weiden die Schafe, ein wachsamer Hirtenhund passt auf sie auf.

Schafe weiden auf dem linken Ufer der schwarzen Elster (Foto: Lippstreu)

Im Bild ist zu erkenne, wie die Teilnehmer*innen des Workshops mit Getränken und etwas zu Essen versorgt wurden.

Zwischendurch gab es auch eine kleine Stärkung... (Foto: Lippstreu)

Das Foto zeigt ein Exemplar des Wiesenknopfes auf einer ungemähten Fläche zwischen Gras und Schilf. Blüten sind noch keine ausgebildet.

Ein Exemplar eines Wiesenknopfs ohne Blüte. (Foto: Lippstreu)

Kleiner Falter, große Probleme 

Früher war er einmal häufig, mittlerweile gilt der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling als vom Aussterben bedroht in Brandenburg. Der lange Name verrät viel über die Vorlieben des hochspezialisierten Schmetterlings. Einerseits benötigt die Art den Großen Wiesenknopf, welcher zur Pflanze des Jahres 2021 gekürt wurde und ihm als Futterpflanze dient. Andererseits ist der Bläuling auf eine spezielle Ameisenart angewiesen, die seine verpuppten Larven in ihren Bau trägt. Dort können sich die Larven dann in Sicherheit am Ameisennachwuchs sattfressen.

Naturschutz und Hochwasserschutz auf engstem Raum – geht das?

Der Große Wiesenknopf und der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling sind typische Arten feuchter bis nasser, nur extensiv genutzter Wiesen. Das größte Brandenburger Vorkommen des Tagfalters gibt es noch im Süden Brandenburgs an der schwarzen Elster und dort zwischen den Deichen im Vorland, wo Hochwasserschutz und Naturschutz auf engstem Raum abgestimmt werden müssen. Von der sächsischen Landesgrenze durch den Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft bis nach Herzberg sind frühere Funde bekannt. Mittlerweile -nach Hochwasserereignissen und Dürresommern- ist die Population eingebrochen und es existieren nur noch verinselte Teilpopulationen. Diese müssen unbedingt erhalten werden. Einen wichtigen Part spielen dabei die Gewässerverbände und Schäfereien. Sie pflegen die Deiche und Vorländer und achten dabei auf die Ansprüche der Artengemeinschaft. Die Betriebe halten in sogenannten „Restriktionsbereichen“ eine sommerliche Nutzungspause ein und nutzen das Grünland extensiv – sie verzichten also zum Beispiel größtenteils auf Dünger und Pestizide. Da auf engstem Raum die Ziele des Hochwasserschutzes und des Naturschutzes verfolgt werden und unterschiedliche Akteure in die Arbeiten eingebunden sind, ist für eine gute Zusammenarbeit Kommunikation unerlässlich.

Im Mai dieses Jahres organisierte der Naturschutzfonds einen Workshop, der genau das zum Thema hatte. Der Workshop mit allen örtlichen Akteuren fand an drei Standorten entlang des Ufers der schwarzen Elster statt. Mit dabei waren unter anderem die zuständigen Gewässerunterhaltungsverbände, die Schäfer welche die Ufer der schwarzen Elster bewirtschaften, das Landesamt für Umwelt mit den Abteilungen Naturschutz und Wasser, die Landkreise Oberspreewald-Lausitz und Elbe-Elster und eine Vertreterin der Flächenagentur Brandenburg GmbH. An diesem schönen, sonnigen Tag wurden Kartierungsergebnisse besprochen für den Schmetterling aber auch für die Ameise. Bei der Ameise, auf die sich der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling spezialisiert hat, handelt es sich um die Rote Knotenameise, auch bekannt als Gartenameise. Diese kommt vor allem in ufernahen, feuchten Bereichen vor und direkt am Fuße des Deiches. Sie bevorzugt schattige Bereiche, weil sich dort die Feuchtigkeit länger hält und sich im Sommer der Boden nicht so schnell aufheizt. An der schwarzen Elster kommt sie vor allem am Nordufer vor, da die direkte Sonneneinstrahlung durch Ufergehölze dort gering ist. Die Ameise und ihr Verhalten zu verstehen ist wichtig, denn nach den Ergebnissen der Kartierung könnte sie der limitierende Faktor für die Populationen des Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulings sein. Auf Flächen wo die Ameise nicht vorkommt, fliegen keine Bläulinge.

Durch die letzten drei Dürrejahre brach leider die Population der Ameise ein. Der Boden ist teils tiefgründig ausgetrocknet, wodurch die Nester der feuchtigkeitsliebenden roten Knotenameise abgestorben sind. Eine Neubesiedelung ist schwierig, denn die Ameise hat mehrere Konkurrenten. Eine davon ist die schwarze Wegameise, welche besser mit Trockenheit umgehen kann. Sobald ein Konkurrent ein Gebiet besiedelt, verteidigt er es auch, wodurch nur eine geringe Zahl anderer Ameisen dort vorkommt. Somit sind einmal verloren gegangene Siedlungsgebiete schwer zurückzuerobern. Durch den Klimawandel verschärft sich das Problem nochmals.

Es ist jedoch nicht alles verloren. Es zeigt sich zum Beispiel, dass Flächen mit extensiver Nutzung und Nutzungspause im Sommer deutlich mehr Falter aufweisen als Flächen ohne.  Zusammen mit der Flächenagentur Brandenburg GmbH wurde mittlerweile ein Flächenpool etabliert. Dort wird bei Wahrenbrück außerhalb der Deiche ein größerer Grünlandkomplex „faltergerecht“ bewirtschaftet. Für die Zukunft wird es wichtig weitere feuchte Grünländer außerhalb der Deiche auf eine faltergerechte Bewirtschaftung umzustellen. Wir arbeiten daran...

Nach oben